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Reisebericht: Zauberhaftes Japan

Erkundungen in Takayama – Historisches Shirakawa-go

Spaziergang zu den Frühmärkten

Nach einem deftigen Frühstück begaben wir uns zum nahegelegenen Hida-Kokubunji-Tempel. Hier betete man für Frieden und Wohlstand. Gegenüber stand eine dreistöckige Pagode – die derzeit einzige ihrer Art in der gesamten Hida-Region. In der Mitte des Platzes wuchs ein über 1.200 Jahre alter und ca. 38 Meter hoher Ginkgobaum. Einem besonders traurigen Volksmärchen nach sollte hier ein Vater seine Tochter getötet und begraben haben…

Ca. 38 Meter hoher Ginkgobaum

Die dreistöckige Pagode

Anschließend spazierten wir zum Miyagawa-Frühmarkt, der sich entlang des Flusses Miyagawa erstreckte. Der Eingang zum Markt war links und rechts mit niedlichen Katzenfiguren gesäumt.

Katzenfigur

Die Händler verkauften lokales Kunsthandwerk, Schmuck und Souvenirs sowie frisches Gemüse, Obst und Nüsse. Es gab eine Menge Fisch, der auf verschiedene Weise eingelegt oder konserviert war. Weitere Delikatessen waren Genkotsu ame, Senbei, Shichimi, getrocknete Tintenfische und Hida-Rindfleisch. Wir kauften uns einen solchen Hida-Rindfleisch-Spieß. Dieser war klein und teuer, er schmeckte aber wahrlich köstlich!

Miyagawa-Frühmarkt

Klein und teuer, aber lecker: Ein Hida-Rindfleisch-Spieß

Ebenfalls sahen wir viele Sarubobos. Dies waren kleine Stoffpuppen, die ein Kind mit Schürze aber ohne Gesicht darstellten. „Saru“ bedeutete „Affe“ oder „Gefahren fernhalten“. Die Sarubobos wurden deshalb auch Affenkind genannt und sollten den Besitzer vor Gefahren schützen. Sie wurden in vielen bunten Farben feilgeboten. Am Ende der Straße stand sogar eine Sitzbank in Form einer solchen Sarubobo.

Sitzbank in Form einer Sarubobo

Takayama Jinya

Unser weiterer Weg führte zur Takayama Jinya, dem historischen Regierungshaus und Sitz des Statthalters von Takayama während der Edo-Zeit. Im Eingangsbereich mussten wir unsere Schuhe ausziehen und in eine Plastiktüte stecken, damit wir die auf dem Boden liegenden, teuren Tatami-Matten dadurch nicht unnötig beschädigten. Um die Füße trotzdem warm zu halten, überreichte uns ein Japaner Hausschuhe zum Überziehen. Im Gebäude war es dennoch sehr kalt.

Eingang zur Takayama Jinya

Oben: Schuhe zum Überziehen / Unten: Edle Tatami-Matten

Im Gebäudekomplex besichtigten wir verschiedene Räume mit gut erhaltenen Tatami-Matten. Diese dienten einst als Büros, Konferenz-, Gäste- und WohnräumeDer Konferenzraum wurde scheinbar für öffentliche Zeremonien und Konferenzen genutzt. Im Büro führten indes die Regierungsbeamten ihre administrativen Tätigkeiten aus. Darüber hinaus gab es auch einen Raum, in dem vor allem Teezeremonien abgehalten wurden.

Der Konferenzraum

Das Büro der Regierungsbeamten

Der Raum für die Teezeremonie

Christine erklärte uns, dass die Verzierungen an den Tatami-Matten darauf hindeuteten, wer in diesem Raum lebte oder empfangen wurde. Je verzierter der Rand nämlich war, desto aufwändiger war die Herstellung einer solchen. Wichtige Gäste wurden dementsprechend also in Räumen mit wertvoll verzierten Tatami-Matten empfangen, während sich Bedienstete und Beamte wahrscheinlich in Räumen mit weniger aufwändig gestalteten Tatami-Matten aufhielten.

Blick in den Garten

Der private Raum für den obersten Beamten

Wir warfen auch einen Blick in das Gefängnis (jap. Oshirasu). Die Gefangenen wurden hier manchmal schwer gefoltert. Neben dem Hauptgebäude stand ein großes Lagerhaus, in welchem früher anscheinend die Jahresabgaben an Reis gelagert wurden. Ein Strohsack enthielt ca. 60 Kilogramm unpolierten Reis. Die Säcke wurden „Tenryodawara“ oder „Kikudawara“ genannt, was „Steuer für den Shogun“ bedeutete.

Das Gefängnis

Ehemaliges Lagerhaus für Reis in Strohsäcken

Die historischen Häuser von Shirakawa-go

Nachdem wir uns ausgiebig in der Takayama Jinya umgesehen hatten, fuhren wir schließlich gegen 11 Uhr mit dem Bus nach Shirakawa-go. Mario und Tobi kauften sich vorher noch in einem Konbini zwei Corn Dogs (dt. „Maishunde“). Dies waren auf Holzstielen aufgespießte und von Weizenteig umhüllte, frittierte Würstchen.

Corn Dog – ein Snack für zwischendurch

Unsere recht kurze Fahrt führte uns an verschneiten Landschaften und Dörfern vorbei, bis wir schließlich beim Busparkplatz ausstiegen.

Fahrt durch verschneite Landschaften

Shirakawa-go und die benachbarte Gokayama-Region wurden 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Sie waren berühmt für ihre traditionellen, über 250 Jahre alten Gassho-Zukuri-Bauernhäuser. Gassho-Zukuri bedeutete „gebaut wie Hände im Gebet“. Die steilen Reetdächer der Bauernhäuser sahen nämlich wie zum Gebet gefaltete Hände buddhistischer Mönche aus.

Das Freilichtmuseum Ogimachi

Unsere Reisegruppe spazierte zunächst zum Freilichtmuseum von Ogimachi. Wir passierten die eindrucksvollen, alten Häuser und fühlten uns sofort in vergangene Zeiten zurückversetzt. Hier herrschte absolute Stille, nur das Zwitschern der Vögel und das Plätschern des Wassers waren zu hören. Auf den Reetdächern lag Schnee, einige Haustüren waren sogar zugeschneit.

Das Freilichtmuseum von Ogimachi

Gassho-Zukuri-Bauernhäuser

Wir gingen in eines der Häuser hinein. Im Erdgeschoss sahen wir zuerst die Kochstelle, um die die Familie gemütlich beisammen saß und Mahlzeiten einnahm. Hier stand auch ein Korb mit einer Puppe und weiterem Spielzeug für die Kinder. Jede Familie besaß außerdem einen eigenen Schrein, vor dem gebetet wurde. Im ersten Obergeschoss befanden sich die Schlaf- und Arbeitszimmer.

Die Kochstelle im Erdgeschoss

Der Familienschrein im Erdgeschoss

Ein Arbeitszimmer im ersten Obergeschoss

Auf dem großen Dachboden züchtete man damals Seidenraupen, welche eine permanente, sorgfältige Betreuung benötigten. Zum Spinnen des Kokons sonderten die Spinndrüsen der Seidenraupen das Protein Fibroin und Serizin (Seidenleim) ab. Diese Substanz wurde dann aus dem Körper geleitet und verhärtete sich an der Luft sofort zu einem Faden, welcher schließlich die besagte Seide darstellte.

Der geräumige Dachboden

Der Lebenszyklus einer Seidenraupe

Das Dorf Ogimachi

Nachdem wir das Haus besichtigt hatten, gingen wir zurück zum Busparkplatz und von dort zum Dorf Ogimachi auf der anderen Seite des Shogawa-Flusses. Ogimachi war das größte Dorf und die Hauptattraktion von Shirakawa-go. Der Weg führte über eine lange Hängebrücke, die den Fluss überspannte. Es machte Spaß, die Brücke zum Schaukeln zu bringen und den anderen Touristen somit einen kleinen Schrecken einzujagen. 😉

Hängebrücke zum Dorf Ogimachi

Auf der Brücke

Im Dorf Ogimachi

Reisfeld im Dorf Ogimachi

Christine sagte uns außerdem, Shirakawa-go diente als Vorlage für den fiktiven Handlungsort Hinamizawa des japanischen Computerspiels und der Fernsehserie „Higurashi no Naku Koro ni„. Jedes Jahr kamen demzufolge viele Fans zum Shirakawa-Hachiman-Schrein, um hier ihre von der Serie inspirierten Holztafeln aufzuhängen.

Shirakawa-Hachiman-Schrein

Holztafeln von Fans der Serie „Higurashi no Naku Koro ni“

Mario und Tobi entschlossen sich danach dazu, den Weg zum Shiroyama Aussichtspunkt nördlich des Dorfzentrums zu erklimmen, um dadurch einen tollen Blick auf Ogimachi zu erhaschen. Omma, Liane und ich dagegen blieben im Dorf und schlenderten durch verschiedene Läden. Dort erwarben wir u. a. schöne Postkarten von Shirakawa-go und einige Souvenir Sweets. Anschließend versammelten wir uns alle zum vereinbarten Treffpunkt wieder am Bus und fuhren schließlich zurück nach Takayama.

Blick auf Ogimachi

Zurück in Takayama

Wieder in Takayama angekommen, gingen wir fünf erneut zur Altstadt, um Sake zu verköstigen. In einer Brauerei kauften wir uns dabei für ca. einen Euro einen Becher, welchen man beliebig oft mit den bereitgestellten Sorten Sake nachfüllen konnte. Wir mussten uns (und vor allem Omma) zügeln, den Becher deshalb nicht zu oft nachzufüllen. Schließlich wollte niemand zum Restaurant, in welchem wir mit der Reisegruppe zum Abendessen verabredet waren, torkeln.

Verschiedene Sorten Sake standen zur Verköstigung bereit

Im Yakiniku-Restaurant „Hidagyu Maruaki“ angekommen, bestellten wir dann zwei Platten Hida-Rindfleisch. Paprika, Shiitake, Kohl und Kabocha-Kürbis gehörten ebenfalls dazu. All diese Zutaten bereiteten wir danach auf dem Grill in der Mitte des Tisches zu. Zusätzlich bestellten wir noch zwei Schüsseln Reis und Miso-Suppe. Als krönenden Abschluss gab es ein Sesameis.

Im Yakiniku-Restaurant

Eine Platte mit Hida-Rindfleisch

Oben: Es wurde fleißig gegrillt / Unten: Sesameis

Satt und froh kehrten wir schließlich zum Spa Hotel Alpina zurück.

Reisebericht: Zauberhaftes Japan
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